Nach einer kurzen Vorstellung des Mitveranstalters Groupe Mutuel und ihrer Versicherungsbereiche machte Dr. Jean-Marcel Kobi, Fachbuchautor und Berater, den Einstieg ins Personalrisikomanagement. Mit 60-80% der Kosten sind die Mitarbeitenden in vielen Unternehmen zwar die Haupt-Kostenträger, aber gleichzeitig auch die Haupt-Leistungsträger und gemäss zahlreichen Untersuchungen zentraler Faktor für den Unternehmenserfolg. Risiken bei diesem Schlüsselfaktor – eben Personalrisiken – werden vollkommen unterschätzt. HR übersetzte Kobi deshalb neu mit «Herz» und «Rückgrat» des Unternehmens und untermauerte durch verschiedene Kennzahlen seine These, dass keine Ressource heute so schlecht genutzt wird wie die Human Resources.
Menschen als Ausgangspunkt für Risiken
Operationelle sowie finanzielle und Kundenrisiken haben ihre Grundlage letztlich in Menschen – deshalb sei als Erstes bei den Personalrisiken anzusetzen, deren Bedeutung auch in monetärer Hinsicht völlig unterschätzt wird, wie Kobi an einer Beispielrechnung erläuterte. Sein deshalb aufgrund langjähriger praktischer Erfahrung entwickeltes Integriertes Risikomanagement umfasst fünf wesentliche Personalrisiken (Engpass-, Austritts-, Anpassungs-, Motivations- und Integrationsrisiko) und vier Prozessschritte (Risikoidentifikation, -messung, -steuerung und -überwachung). Entsprechend der Risikoart stellte Kobi anschliessend praxisorientierte Managementmassnahmen zur Steuerung der Personalrisiken vor. Ihre Wirkung hängt aber zentral von der Qualität der Führungskräfte ab. Fachkompetenzen reichen da nicht, sondern die sozialen Kompetenzen und die Schaffung einer das «Commitment» fördernden Unternehmenskultur sind die Schlüsselfaktoren.
Absenzen und Präsentismus als Risikofaktoren für Unternehmen
Aus gesundheitsorientierter Perspektive ging Bruno Guscioni, Spezialist für betriebliches Gesundheitsmanagement der Groupe Mutuel Versicherungen, an die Thematik heran: So gibt es auf Unternehmensebene (negative) Belastungsfaktoren auf die Mitarbeitenden, welche die Gesundheit beeinträchtigen und Unwohlsein auslösen. Absenzen und Präsentismus sind die Folge. Demgegenüber schaffen (positive) Schutzfaktoren ein Gesundheitskapital, das die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit erhöht.
Für die Führung gelte es nun, durch Steuerung der diesen Belastungs- und Schutzfaktoren zugrunde liegenden Personalrisiken möglichst die Absenzen zu reduzieren und Präsentismus zu verhindern. Auf diese Weise können die Produktivität gehalten und die Kosten reduziert werden. Das Konzept CorporateCare, das von der Groupe Mutuel in den letzten 10 Jahren entwickelt wurde, unterstützt die Unternehmen bei dieser zentralen Managementaufgabe, beim Absenzenmanagement bis hin zur Prävention.
Klarheit, sensible Vorgesetzte und Handeln als Leitlinien für Personalrisiken
Als dritte Referentin schilderte Ursula Baum vom Berater Movis anhand von in der Praxis bearbeiteten Einzelfällen, welche Auswirkungen Personalrisiken konkret auf die Unternehmensproduktivität haben können. Sehr einprägsam war die paarweise Darstellung der Fälle – jeweils ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, und eins dafür, wie klare Regeln und Prozesse, sensibilisierte Vorgesetzte und aktives, koordiniertes Vorgehen an schwierige Situationen einerseits die Kosten für Arbeitsunfähigkeiten, andrerseits auch die Konsequenzen in menschlicher Hinsicht, begrenzen helfen. Zentral ist eine rasche Thematisierung des Problems; unternehmensexterne Unterstützung kann dabei den nötigen Abstand und Überblick einbringen.
Mehr Aufmerksamkeit den Personalrisiken!
Bei der abschliessenden Podiumsrunde debattierten Referenten und Teilnehmer intensiv darüber, wie man es nun im praktischen Unternehmensalltag besser machen könne. Einhellig wurde die Ansicht geteilt, dass den Personalrisiken noch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und dass eine systematische Berücksichtigung der so genannten «weichen Faktoren» mit dem Mitarbeitenden als Individuum Risiken und damit auch Kosten für Unternehmen reduzieren hilft.
Mehr Informationen:
Die Seminarpräsentationen finden Sie untenstehend sowie auf der Informationsplattform zum Gesundheits- und Absenzenmanagement von der Groupe Mutuel.
Bericht: Christian Feldhausen, Groupe Mutuel Unternehmenskommunikation